Der Philharmonische Klang

Die Wiener Philharmoniker verstehen sich als direkte Erben des Instrumentenklangs der Wiener Klassik. Das bedeutet, die Veränderungen im Instrumentenbau, die seit Entstehen der nationalen Kompositionsschulen vonstatten ging, wurden bei den Wiener Philharmonikern nicht durchgeführt.

Besonderes Augenmerk ist hier auf die Gruppe der Blasinstrumente zu richten, die sich teilweise durch ein anderes Griffsystem bzw. unterschiedlich geformte Mundstücke auszeichnen:
Die Wiener Oboe z.B. hat ein komplett anderes Griffsystem, als die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte „Französische Oboe“. Das bedeutet, nicht jeder Oboist kann automatisch eine Wiener Oboe spielen! Die Wiener Philharmoniker bleiben der „ursprünglichen“ Oboe aus dem Grund treu, da alle großen Komponisten bis Gustav Mahler für eben jenes Instrument komponierten. Dadurch kann gewährleistet werden, so nahe wie möglich am „Originalklang“ zu bleiben.

Ein weiterer Sonderfall ist das Wiener Horn, welches ausschließlich auf F gestimmt wird. Weiters wird durch bauliche Unterschiede zum Doppelhorn ein spezielles Klangbild kreiert. So verfügt das Horn über einen mehr als einen Meter langen, abnehmbaren Bogen, besitzt eine engere Mensur und ein kleineres Schallstück und verwendet außerdem Pumpenventile, statt der ansonsten üblichen Drehventile. Dies gibt dem Musiker die Möglichkeit, den Klang von sehr weich und geschmeidig bis hin zu sehr kräftig und schmetternd variieren zu können.
Zur Gruppe der Membranophone ist zu erwähnen, dass die Wiener Schlagwerke allesamt mit Ziegenpergament bespannt sind. Die Ausstattung mit Naturfellen im Vergleich zu Kunststofffellen produziert nämlich eine breitere Obertonreihe.

Am berühmtesten ist aber wohl der Wiener Streicherklang, der sich aber nicht durch eine spezielle Bauweise der Instrumente charakterisieren lässt, sondern mehr durch den Musizierstil selbst. Man kann hier von einer gewissen Tradition des Klanges sprechen, in die jeder neue Philharmoniker von seinen Kollegen eingeführt wird.

Wussten Sie schon…
Einige Violinspieler der Wiener Philharmoniker musizieren mit einer Stradivari. Diese wird als Leihgabe der Österreichischen Nationalbank bereitgestellt und war oft bereits im Besitz eines anderen, berühmten Musikers. Wie im Falle Volkhard Steude, der auf der gleichen Geige spielt wie einst Arnold Rose, der mit der Schwester Gustav Mahlers – Justine – verheiratet war.