Frauen bei den Wiener Philharmonikern

Mit Stand Mai 2016 sind weniger als 10% Frauen bei dem Wiener Traditionsorchester anzutreffen. Und so stehen die Philharmoniker auch heute noch in harter Kritik bezüglich ihres geringen Frauenanteils.

Der momentan amtierende Vorstand Andreas Großbauer erklärt dies mit der langen Amtsperiode der Orchestermitglieder: „Unser langjähriger Konzertmeister Rainer Küchl ist mehr als 40 Jahre am ersten Pult gesessen und geht vermutlich Ende der Saison in Pension. Mehr als 40 Jahre konnte also niemand anderer auf diesem Platz sitzen. Natürlich wissen wir, dass auf den Universitäten heute extrem viele gute Musikerinnen sind. Angesichts dessen können Sie sich ungefähr vorstellen, wie die Situation in 10, 20 Jahren ausschauen wird. Dann werden die Wiener Philharmoniker möglicherweise ein Frauenorchester werden.

Bereits Elena Ostleitner hat in ihrem 1997 erschienen Artikel über die Frauenfrage bei den Wiener Philharmonikern auf diese magische 10-Jahresgrenze hingewiesen. 1981 war sich der damals amtierende Orchestervorstand Alfred Altenburger sicher das die Frauenfrage in 10 Jahren kein Thema mehr sein wird. Es änderte sich bis 1994 jedoch nichts, trotzdem äußerte sich der damalige Geschäftsführer Flury in einem Interview „in zehn Jahren wird das eine Selbstverständlichkeit sein […] es ist logisch, daß die Qualität nur unter Einbeziehung von Frauen zu halten sein wird.“ Drei Jahre später jedoch, gibt es auch Äußerungen, wie zum Beispiel von Resel, der auf die Frage eines Schülers antwortete, warum es denn keine Frauen bei den Wiener Philharmonikern gibt, meinte: „Die Wiener Philharmoniker sind ein Orchester von weißen Männern, die von weißen Männern geschriebene Musik für weiße Männer spielen“

Im September 1996 beginnt eine weltweite Protestbewegung, allen voran unterstützt durch die Organisation „International Alliance for Women in Music“. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich lediglich zwei Damen (beide Harfenistinnen) im gesamten Staatsopernorchester. Im Februar 1997 ringen sich die Philharmoniker dazu durch, Frauen zum Probespiel einzuladen. Außerdem wird die langjährige Harfenistin des Staatsopernorchesters, Anna Lelkes, zur ersten Philharmonikerin. Frau Lelkes blieb bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2001 das einzig weibliche Vereinsmitglied und nach ihrem Abschied dauerte es wiederum vier Jahre, bis eine neue Philharmonikerin aufgenommen wurde.

Frauen im Verein der Wiener Philharmoniker:

Charlotte Balzereit 20.12. 2004 Harfe
Ursula Ruppe 16. 5. 2007 Bratsche
Isabelle Ballot 10. 10. 2008 1. Geige
Daniela Ivanova 0. 10. 2010 Bratsche
Albena Danailova 20. 9. 2011 Konzertmeisterin
Olesya Kurylyak 20. 9. 2011 1. Geige
Ursula Wex 31. 5. 2012 Cello
Anneleen Lenaerts 21. 11. 2014 Harfe
Patricia Koll 8. 8. 2015 2. Geige
Karin Bonelli 18. 8. 2015 2. Flöte
Alina Pinchas 4. 5. 2016 1. Geige

Frauen im Staatsopernorchester:

Ekaterina Frolova 1. Geige
Petra Kovacic 1. Geige
Adela Frasineanu 2. Geige
Sophie Dartigalongue 1. Fagott
Anna Gruchmann Kontrabass

Wussten Sie schon…
Momentan gibt es von insgesamt 148 Wiener Philharmonikern elf Frauen, also 8,8%. Fünf weitere sind bestätigte Mitglieder des Orchesters der Wiener Staatsoper und werden vielleicht zukünftig dem Verein angehören. Von den elf Philharmonikerinnen spielen ca 50% beim Neujahrkonzert mit, welches weltweit ausgestrahlt wird.