Operngang

Sie befinden sich nun im Gang zum Stockwerk der Wiener Philharmoniker. An den Wänden sehen sie Plakate aus dem Staatsopernmuseum, welches 2014 geschlossen wurde und seitdem als Teilausstellung im Haus der Musik weiterlebt.

Nur jemand, der seit mindestens drei Jahren Ensemblemitglied der Staatsoper ist, darf Antrag auf Mitgliedschaft bei den Wiener Philharmonikern stellen. Das Philharmoniker Museum selbst befindet sich deshalb im Haus der Musik, weil ihr Gründer – Otto Nicolai – von 1841-1847 in diesem Gebäude gelebt hat. Am Ende des Flurs sehen sie rechterhand den Eingang zum Archiv der Philharmoniker, welches im Jahre 2000, zeitgleich mit dem Museum, hier einzog.

Die hier ausgestellten Plakate zeichnen die Geschichte des Opernhauses am Ring nach, welches am 25. Mai 1869 eröffnet wurde. Trotz seiner hochmodernen Ausstattung – ganze viertausend (!) Gasflammen erleuchteten die neue Oper – konnte, wie in der Neuen Freien Presse bekrittelt wurde, die Akustik des Hauses noch nicht ganz überzeugen: „Der Übelstand, dass die Streichinstrumente von der Blechharmonie erdrückt werden, scheint noch nicht vollständig behoben...“

Die Philharmoniker dachten im Haus am Ring eine neue Wirkungsstätte gefunden zu haben und stellten an die k.k. General-Intendanz das Ersuchen, man möge ihnen das neue Haus zur Abhaltung von Konzerten zur Verfügung stellen. Jedoch wurde ihr Antrag abgelehnt, da das k.k. Opernhaus „grundsätzlich zu keiner Wohltätigkeits-Vorstellung […] und auch nicht zur einer Privatinteresse fördernden Vorstellung vergeben werden darf.“ Pikanterweise war es dem Kapellmeister Herbeck jedoch erlaubt, vier Abonnementkonzerte zugunsten des Hoftheaterpensionfonds im neuen Haus abzuhalten. Und da er als musikalischer Leiter der Hofoper der oberste Chef des Orchesters war, standen die Philharmoniker nun quasi mit sich selbst in Konkurrenz.

Wussten Sie schon...
Das neue Operntheater wurde vom Architektenduo Eduard van der Nüll und August Sicard von Sicardsburg geplant. Beide waren Großmeister des Historismus der Ringstraßenära, konnten die Wiener jedoch mit der im Stil der Frührenaissance gehaltenen Hofoper nicht überzeugen. Als schließlich das Straßenniveau vor der Oper um einen Meter angehoben wurde, glich der Bau einer versunkenen Kiste und wurde in der Presse verrissen. Nachdem auch der Kaiser sich kritisch äußerte, erhängte sich van der Nüll und auch Sicardsburg starb nur zehn Wochen später. Das soll Franz Josef I. so schockiert haben, dass er seitdem auf jegliche künstlerische Frage mit: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“ geantwortet hat.

Hofoper